James Gruntz – Closer
10.07.12
Aloha vom Palmenstrand
Mit dem Album «Until We Get There» und überzeugenden Konzerten setzte James Gruntz seinen Namen letztes Jahr dick auf die Schweizer Musiklandkarte. Nun schiebt er eine EP nach, die nicht als nächste Stufe zum Erfolg, sondern als Schritt zu Seite betrachtet werden sollte.
«Closer» klingt, wie es aussieht. Auf dem Cover steht James Gruntz am Palmenstrand, den Blick nachdenklich nach innen gerichtet, unterm Arm eine Ukulele. Die lässt erst einmal nichts Gutes erahnen, denn es gibt Gründe, weshalb das Klimperding landläufig eher als Spielzeug denn als ernstzunehmendes Instrument wahrgenommen wird. In den letzten Jahren erfuhr die Ukulele allerdings eine Rehabilitation (wenn selbst Eddie Vedder ein Album damit einspielt …) und so wollen wir Gruntz nicht am Instrumentarium aufhängen. Ist ja seine Sache, womit er seine Lieder spielt.
Hören wir also hin und entdecken fliessende, leichtfüssig federnde Stücke in luftigen Arrangements. Rhythmusgruppe und Ukulele sorgen für entspannten Flow, Gruntz’ Gesang und gelegentliche Pling-Plong-Singlenote-Einschübe der E-Gitarre für süsses Sehnen. So tönt ein Sommerabend. Das Material bestätigt, was man schon wusste: Dass Gruntz nämlich zu den grossen Talenten unter den hiesigen Songwritern zählt. Schon die Stücke des letzten Albums zeigten ihn als Sensibilisten, dessen Lieder an einem schlechten Abend vom Unaufdringlichen ins Unverbindliche kippen können. Diese Gefahr ist bei diesen betont beiläufig gespielten Stücken umso grösser. Doch sobald der 24-Jährige zu singen anfängt, packt er den Zuhörer beim Gefühl und lässt nicht mehr los. Es ist keine aggressive Vereinahmung, behüte, sondern eine freundliche Umarmung der man sich gern ergibt. Und bevor es allzu kuschelig wird, gibt die Band im einen oder andern Stück gegen Ende mal Gas und schrammt die rührenden Melodien auf.
Drei der sechs Stücke sind neu, dazu kommen zwei Versionen des bereits (unter anderem als Remix von DJ Antoine) bekannten «Song To The Sea», zu dem es auch ein Video gibt, sowie ein zwölfminütige Fassung von «Killing You». Eingespielt wurde «Closer» von der Band, mit der Gruntz diesen Sommer unterwegs ist. Und damit das Feeling auch auf Tonträger stimmt, agierte man im Studio live. Gruntz wuselte dabei zwischen Aufnahme- und Kontrollraum hin und her, denn der Bandleader fungierte auch als Produzent und Mischer.
Ein Schritt zur Seite, so sollten wir diese EP betrachten. Denn das ist der Sinn einer solchen Veröffentlichung: Eben kein kanonisches Album, das einen Musiker definiert und im besten Fall die Zeit überdauert. Sondern einfach eine Handvoll Songs, ein Studio, spielen und schauen was passiert. Eine Möglichkeit, Dinge auszuprobieren für den Künstler, ein Aloha von unterwegs für die Fans. Eine gute Sache.
Reto Aschwanden
James Gruntz «Closer» (Bakara Music/Nation Music)
Das Video «Closer» wurde vom RFV mit dem RegioSoundCredit unterstützt und ist im Juli 2012 erschienen.