Gurd – Fake : Der laute Zorn der Metaller in Hochform

16.01.15

Gurd liefern mit ihrem elften Album den lauten Beweis dafür, dass Metal total alive ist, während Rock müde und angepasst oder gekünstelt wirkt. Sagt jedenfalls Doktor Fisch im Schnelldurchlauf of Death. Gurds Album Fake erscheint am 19.1.2015 auch in Europa.

 

Gurd haben grad ihre Fussballmannschaft komplettiert: Elf Alben stark ist die Discography der Basler Thrash/Speed-Metal-Band. Als zwölfter Mann stehen die Fans rundum begeistert auf der Matte bzw. in der Fabrik, so zuletzt an der grossen 20-Jahre-Show von Gurd im Z 7 in Pratteln kurz vor Weihnachten 2014. Blöd rumstehen war da nicht, dafür kann man ja in den Wald gehen oder vor den Joghurt-Regalen im MMM-Markt rumlungern. Nein, jede Faser der Publikumsmuskeln war im Z7 gespannt wie die kleinen Kinder vorm Christbaum. Sogar hartnäckige Kettenraucher blieben 90 Minuten brav in der Halle, ohne zu husten. Grund: Gurd sind weiterhin eine der packendsten Live-Bands in der weiten Region. Stil egal, Frisur egal, Geschlecht egal. (Mehr zu Gurds Historie seit 1994 gibt es hier.)
 

Klappe halten kann jeder

Klappe halten kann jeder

Was gibt das neue Album Fake aber her? Als Schiedsrichter zum elten Gurd-Langeisen amtet hier Doktor Fisch; die Linienrichter machen Ferien in Katar. Anpfiff. – Der Titelsong «Fake» donnert ab Sekunde 2 in gehörntem Tempo los. Gesunde Aggression, geballter Zorn und mächtiger Groove; die Markenzeichen der 1994 aus der Asche von Poltergeist hervorgegangenen Band. «Watching the news makes me sick and sicker everyday. Fake, a fucking fake, try to maniupulate our will to live», heisst es in «Fake». Ist es nicht gut, dass auch superharte Musik noch immer in der Lage ist, das gefühlte Unbehagen einer eher stummen Mehrheit in Songs zu packen, die auch in zehn Jahren noch keinen Staub angesetzt haben werden? – Eben. Klappe halten kann jeder.

 

Charakteristisch sind neben V.O. Pulvers Piratenchef-barschen Lead Vocals die brutal komprimierte Power und Präzision der Rhythmusabteilung, während die Gitarren vorne alles klar machen, ohne gleich durchzudrehen. Und selbst wenn Gurd das Genre Metal ihr Zuhause nennen, ist die Sound-Seelenverwandschaft der Basler Band zu US-Hardcore, UK-Grind, Crossover oder Punk Rock für Nicht-Metalheads immer eine gute Ausrede, um bei Gurds Metalldrehbänken vorbeizuschauen.

«White Death» im Höllentempo

«White Death» im Höllentempo

Der zweite Song «Hagridden» schaltet den Gang runter und bleibt mit Gitarrenriff und rollendem Bass im Ohr hängen. «White Death» zielt wieder auf die Eingeweide und bricht dem Tempomat das Genick. Herrlich der Hundschopf-Ritt durch den Gebirgsschneesturm des Todes,

obwohl ab und zu das Gefühl aufkommen könnte, die Band knüpple hier ganz hart am Limit die 5 Minuten durch (Lyric Video unten). Dann: «Wiped From The Earth» ginge in seiner groovenden, crossover-angehauchten Bauweise auch als älterer Gurd-Song durch. Wobei, was heisst denn «älter»? Sicher nicht alt.

 

«Only death is real»

Nachdem bei «White Death» die Kabel durchgebrannt und neu verlötet werden mussten, liefern Gurd in den restlichen der total 13 Songs eine stilvolle Wall-of-Sound der Spielarten des Heavy Metals. In «Last Hooray» ist gar eine Art gepimpter «Brand New Cadillac»-Gitarrenriff eingebaut. Der Song «Near Miss» holt nach einem kathedralen Intro zur monumentalen Metall-Ohrfeige à la Prong aus, während die mehrstimmigen Vocals fast schon hysterisch nach dem Soundgewand schnappen.

«Neglected» ist der Lieblingssong des Docs, nicht nur, weil er – also der Song, nicht der Doc – mit einem schneidenden Gitarrenriff startet, den Black Flag zu ihren besten Zeiten nicht besser hingekriegt hätten. Aber auch, weil die brutale Riff-Monotonie, der Speed-Flash und die präzisen Breaks hier einen wahren Zauber abziehen über 4 Minuten 10, die sich anfühlen wie eine öffentliche Auspeitschung im Mittelalter. Wer die Peitsche schwingt, ist nicht schwer zu erraten. Man hört es nicht gern, aber es stimmt eben: «Only death is real», heisst es in «Neglected».

 

Outlaws in Hochform

Die vier von Gurd sind Outlaws. In einer Zeit, in der die Toten Hosen als «Punkrocker» verkleidete Geschäftsleute (Fake!) die deutsche Unterhaltungsindustrie auf Jekamitgröhl und Bierzeltdumpfheit glattbürsten und nebenbei noch die Grossverdienerliste der deutschen Urheberrechtsgesellschaft GEMA anführen, muss man sich nicht wundern, sondern freuen, wenn die Wut der echten (über)lebenden Metalheads und Punkrocker zur neuen Hochform aufläuft. Dass Rockmusik in Mitteleuropa an ihr jämmerliches Ende hin kommerzialisiert worden ist, hat viel mit den Toten Hosen zu tun. Gurd aber tragen die richtigen Hosen: die im Military-Look. Eines ist klar: Gurd würde den meisten Toten-Hosen-Fans das Fürchten lernen.

 

In diesem Sinne, ihr wahren Brüder und Schwestern der puren Musik: Fürchtet euch nicht! Denn ihr werdet erlöst werden. Beim Kauf von Gurds neuer Platte. Oder bei Konzerten der Band. Zu Risiken und Nebenwirkungen wurden Sie hiermit höflich informiert von fucking

 

Doktor Fisch

 

 

Live-Bild im Z 7: diebuehrers.com

Gurd – Fake

(Europa, World: Czar Of Crickets/Czar Of Bulletts. CH: LC Records/NonStopMusic) ist am 19. Januar 2015 (Europa/World) bzw. am 22. November 2014 (CH) als CD und digital erschienen.

 

Aufgenommen, gemischt und gemastert von V.O. Pulver im Little Creek Studio in Gelterkinden.

Gurd: «Neglected»

Gurd: «White Death» (Lyrics Video)

Gurd – Fake : Der laute Zorn der Metaller in Hochform

Gurd Live

23.01.15 Winistorf, Estri.ch
31.01.15 Lenzburg, Met-Bar
28.02.15 Basel, Hirscheneck

 

Aktuelle Daten auf der Band-Website.

Gurd sind

Gurd sind V.O. Pulver (voc, git), Pat Müller (git, voc), Franky Winkelmann (bs, voc) und Steve Karrer (dr).

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