Miriam Crespo – In The Bones All Along: Ein Brief als Ansporn

19.03.15

Wow, die Stunde der Frauenstimmen in Basel ist da: Nach Thorne, Dew, Sareena Overwater, Vibezbilder, Es brennt – was tun? und Serafyn (gerade auf 26 in den CH-Charts eingesteigen) steht nun zum Frühlingsbeginn das Album der Baselbieter Musikerin und Sängerin Miriam Crespo vor der Tür. Michael Gasser hat Miriam Crespo vor dem Release ihres Debutalbums zum Interview getroffen und in das Album reingehört.

Was lange währt, wird endlich gut. Ein Diktum, das auf das Wirken der Singer-Songwriterin Miriam Crespo zugeschnitten ist. Auch, weil die Musikerin zu ihrem Glück erst gedrängt sein wollte.

 

Selbstkritik ist gut und wichtig, kann aber auch verhindern. So beinahe auch die Songs von Miriam Crespo. Die in Muttenz aufgewachsene Künstlerin mit spanischen Wurzeln ist hauptberuflich in der Kommunikation tätig und kam zur Musik «wie die Jungfrau zum Kind», wie sie im Interview sagt. Am Ursprung stand ein Plakat der Jazzschule. Crespo fühlte sich davon angesprochen und entschloss sich, die angepriesenen Gesangsstunden zu belegen – und zwar bis heute. «Als Wahnsinnssängerin verstehe ich mich deswegen aber nicht», betont sie und gibt hohe Ansprüche an sich selbst zu erkennen.

In der richtigen Ecke gelandet

In der richtigen Ecke gelandet

Im Herbst 2010 gründete Miriam Crespo ihre gleichnamige Band. Aber nur, weil ein befreundeter Gitarrist ihr einen handgeschriebenen Brief zukommen liess und sie dazu drängte, endlich vorwärtszumachen. Im Juni 2012 gab man ein erstes Konzert und weil dieses viel positives Feedback generierte, folgten binnen neun Monaten gleich 16 weitere Auftritte

 

Mittlerweile hat sie über 50 Shows in den Beinen, unter anderem auch jene am New Yorker Utica Music & Arts Fest. Crespo, ein erklärter Fan von Acts wie Ryan Adams, Amos Lee oder Ray LaMontagne, tut sich mit Folk und Pop hervor. Dass sie in diesem Genre gelandet ist, sei eher Zufall, doch nicht ohne Grund: «Ich mag Musik aus den unterschiedlichsten Richtungen, bin aber insbesondere von Texten fasziniert.» Von daher sei sie – als Singer-Songwriterin – zweifellos in der richtigen Ecke gelandet.

Der Link zu Lunik

Der Link zu Lunik

Die erste EP, This Is Not A Demo ...This Is An EP», erschien im Frühling 2013 und fand viel Anklang. Bis zur Fertigstellung des Albums wollten aber noch viele Fragen beantwortet sein: Plattenlabel oder nicht? Selber produzieren oder in fremde Hände geben? Weil sie sich für ihre Stücke einen Blick von aussen wünschte, entschloss sich Crespo zu guter Letzt, nach einem geeigneten Produzenten

Ausschau zu halten, einem «Tätschmeister», wie sie sagt. Also kontaktierte sie das Produzentenduo Dave Muther und Luk Zimmermann, einst Mastermind bei Lunik.

 

Trotz beschränktem Budget zeigten sich die beiden derart von den Songs angetan, dass es zu einer Zusammenarbeit kam. Diese sei nicht nur reibungslos, sondern super verlaufen, erklärt Crespo. Und jetzt steht endlich die Plattentaufe ihres ersten Longplayers an: In The Bones All Along. Weil die Mitglieder ihrer Band zu viele andere Verpflichtungen hatten, ist Crespo heute offiziell wieder Solokünstlerin. Doch auf der Bühne lässt sie sich nur zu gerne von Musikern wie Chris Heath (voc, git), Sereina Kessler (voc, key), Steve Grob (bs) und Simon Ehrat (dr) unterstützen.

 

Die zwölf Tracks des Albums handeln nicht zuletzt von der Liebe, deren Absenz oder von Sehnsüchten wie dem Fernweh. Dass die Sängerin einst ein Jahr in den USA – genauer: im Bundesstaat Indiana – verbrachte, macht sich bemerkbar. Da ist die zielsichere Färbung der Worte und da ist auch ein Flair für US-amerikanische Sounds und gar ein paar Schlenker hin zum Country. Crespo zieht es stets hin zu Harmonien, umschmeichelnden Melodien und sanfter Akustik, was in bisweilen üppigen, aber nie überfrachteten Arrangements und Musik voller Hingabe mündet.

Ein stiller, aber ausgesprochen schöner Wurf

Ein stiller, aber ausgesprochen schöner Wurf

Während «Hold On Tight» oder «Thierry’s Song» zu leiser Melancholie neigen, klingen Stücke wie «Something Beautiful To Dream» oder «Your House Is Clean» wie verlockende Frühlingsaufforderungen. Miriam Crespo hat viel Zeit, Arbeit und Effort in ihr Debutalbum gesteckt. Das zahlt sich aus, denn: In The Bones All Along erweist sich als reife, nachhaltige und eigenständige Liedkollektion. Ein stiller, aber ausgesprochen schöner Wurf.

 

Michael Gasser

 

 

Miriam Crespo – In The Bones All Along

(Crispy Records/Irascible) erscheint am 27. März 2015 als CD und digital. Vorbestellungen über Cede.ch.

 

Bilder: Jean-Luc Cramatte, 2015 ©

Miriam Crespo: «Thierry’s Song»

Miriam Crespo feat. Chris Heath: «Untitled/Self-Portrait» (Music Video)

Miriam Crespo – In The Bones All Along: Ein Brief als Ansporn

CD-Taufe

28.03.15  Basel, Parterre
FB-Event

 

live

17.04.15  Aarburg, Bärechäller
19.06.15  Thun, Brügglibar
Aktuelle Daten auf der Website der Band.
 

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