Erupdead – Abyss Of The Unseen: mächtig, brutal, wichtig, geil.

12.10.17

Erupdead gehören mittlerweile seit zehn Jahren zur Basler Metal-Szene und bringen mit Abyss Of The Unseen – nach dem ersten Demo (2008) mit dem komplett unaussprechlichem Namen Hexakosioihexekontahexaphobia), der EP Deadend (2009) und dem Album The Human Progress (2011) – endlich ihren zweiten Longplayer heraus. Lucie W. hat in die LP der härtesten Band Basels reingehört und ist .... doch lest selbst.

 

Schon Erupdeads erste Scheibe, The Human Progress, wurde über das Label Czar Of Crickets veröffentlicht. Czar-Boss Frederyk Rotter hat das Quintett nun für diese Scheibe – immerhin sechs Jahre später – wieder unter seine Fittiche genommen. Damit beweist er einmal mehr seinen guten Riecher für besonders geilen, harten Sound und es zeigt sich ebenfalls einmal mehr: Gut Ding will Weile haben.

Basel-In-die-Fresse-Metal mit Nuancen und feinem Gespür

Basel-In-die-Fresse-Metal mit Nuancen und feinem Gespür

Eine wahre musikalische Perle hat sich hier herausgebildet. Die Jungs selbst beschreiben ihre Platte als «stampfendes Monster, rastlos auf der Jagd nach dem Verborgenen, einem vom Grossteil der Welt kaltblütig ignoriertem Wahnsinn» – und ein Monster ist es tatsächlich geworden, dieses Album, seit langem das mächtigste, was ich an neuem Death Metal zu hören bekommen habe. Knallhart und brutal, trotzdem abwechslungsreich und mit unzähligen Details und Nuancen versehen – da trifft die Genrebezeichnung, die Erupdead ihrem Sound selbst gegeben haben, den Nagel auf den Kopf: Basel-in-die-Fresse Metal!

 

Aber es bleibt eben nicht beim zermalmenden, prügelnden, straighten Sound: Erupdead beweisen im Gegenteil ein sehr feines Gespür für Songstrukturen und Melodien bei Gitarrenleads und Riffs («Temple Of Baal», Solo gegen Schluss von «Bolon Yokte ‘K’uh», für Rhythmuswechsel und Breaks, für spezielle Einschübe (Akustikteil bei «Guns And Roses» und am Schluss von «Temple Of Baal», gesprochenes Intro bei «Bolon Yokte ‘K’uh», und – häufig unterschätzt – die richtige Dynamik bei der Reihenfolge der Songs auf dem Album.

Do-It-Yourself-Recording statt teure High-End-Produktion

/fans-and-public/video-channel-video-of-the-week/2017/video-of-the-week-39.html

Auch die Kunst, Songs so zu schreiben, dass sie nicht zu eingängig klingen, aber dennoch etwas Einzigartiges und Wiedererkennbares hängenbleibt, beherrschen die Herren wirklich erstaunlich gut (Refrain bei «Guns And Roses» und bei «Bolon Yokte ‘K’uh»). Die Soundqualität ist für eine Eigenproduktion wirklich gut geraten, mehr braucht es eigentlich nicht – und ich frage mich einmal mehr, warum manche Bands Unsummen für Produktionen in High-End-Studios ausgeben, wenn es mit dem richtigen Know-how und Gspüri auch beim lokalen Recording Studio oder sogar im eigenen Proberaum völlig ausreicht (denn: Schlechtes Songwriting kann halt auch mit einer noch so teuren Sound-Veredelung nicht gerettet werden …).

Mehr stemmen mit Erupdead

Mehr stemmen mit Erupdead

Zurück zum Thema: Neben Gspüri beweisen Erupdead auf Abyss Of The Unseen auch, dass sie ihr technisches Handwerk an den Instrumenten beherrschen (all hailz to the doublebass drum!) und auch Sänger Sebbi macht einen mehr als guten Job mit seinen zwischen tiefen Death Growls und höheren Screams wechselnden Vocals. Übigens: Grooven können die Jungs auch: «Me First: The Gentleman» ist nur ein Beispiel dafür – das aber fand ich ausgesprochen fägig. Höre mir diese Scheibe nun wieder und wieder während des Workouts an – und kann prompt ein paar Kilo mehr stemmen.

 

Ein weiterer Pluspunkt ist für mich auch das Cover der Death-Metal-Scheibe, das sehr schlicht und düster und sehr gelungen ist. Und last but not least: die Texte konnte ich mir leider nirgends anschauen und noch leiderer – und hier nun endlich ein Kritikpunkt – verstehe ich nur einen kleinen Teil der Vocals (und ich bin mir Growls gewöhnt!). Aber Frederyk Rotter schreibt im Beipackzettel, dass sich Erupdead gerne sozialkritisch äussern – das ist zwar nicht sehr originell, aber immer gut.

 

Deshalb: Merci für so viel geile Musik. Mit dieser Scheibe können Erupdead definitiv bei den ganz Grossen des Genres mithalten.

 

Lucie W.

 


Erupdead – Abyss Of The Unseen

(Czar Of Crickets Productions/NonStopMusic CH/Plastichead) ist am 30. September 2017 als CD und digital erschienen. Gibt’s u.a. im Czar Shop.
 

RFV Video of the week #39: «Unhumanizer»

Seite drucken