David Howald ©
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David Howald – The Double: Kein Album für nebenher

Mit The Double veröffentlichte David Howald im September 2017 sein drittes Solo-Album. Seit Vampire In A Hurry mit Tranqualizer, seinem ersten Solo-Album Set Out To Meet Beauty und dem Zweitling Papermoon EP ist mit The Double eine schöne Entwicklung hörbar. Noch immer unverkennbar und eigenwillig, aber mehr Elektronisches und Akustisches. Mehr Entschlossenheit, noch mehr Tiefe. Howald singt mal beschwingt, schreit mal verzweifelt und präsentiert eine breite Palette an tiefschürfenden Emotionen, die auf poetische Weise direkt ins Herz treffen.

20/12/17  Seline Kunz

Das Album wird mit einer rauen, verzerrten Gitarre eröffnet, die sich mit einem klaren elektronischen Beat mischt. Bald kommen weitere Gitarren-Schichten dazu, die sich zu einer Wall of Sound aufbauen, bis das Klanggewirr wieder nur auf Beat und Gitarre heruntergebrochen wird und Howalds tiefe, warme Stimme einsetzt. Bluesig klingt sie und auf den Punkt. Gleichzeitig leichtfüssig und lustvoll improvisierend tanzt Howald mit seiner Stimme über den Beat.

So kommt der erste Song «Domestication Zone» daher. Das Volumen, die Range und die Dringlichkeit seiner Stimme beeindrucken. Ganz eigen. 100% Howald. Am Ende verschmilzt seine Stimme mit den vielen Klangschichten, verworren und orientierungslos fühlen wir uns, bis der Beat und die Gitarre wieder übernehmen und uns zum Ende des Songs tragen. Wow. Was für ein Einstieg. Bereits nach dem ersten Song ist klar: The Double ist kein Album, das man nebenher hört. Zu nachdrücklich ist das Werk.

«7black0» eröffnet mit einem Piano, eines der Markenzeichen des Basler Musikers und Songwriters. Bald tauchen dann elektronische Klänge und Streicher auf, die markerschütternd-schaurig im Kontrast zur melodiösen Stimmführung stehen. «I asked you once I asked you twice, swallowed ‘til the daggers rise» ist klanglich sehr treffend umgesetzt. Der Song bedrückt und beglückt gleichzeitig.

Es ist düster, dieses Werk. Und doch will ich unbedingt weiterhören, mit auf die Reise gehen. Song für Song. Der sehr eigene Mix von theatralisch-bluesiger Stimme, elektronischen Klängen und Beats sowie avantgardistischer Manier überzeugt.

«Midwife Of The Night» nimmt den vom Opener bekannten Gitarren-Schlagzeug-Beat wieder auf. Es tut gut, dieses bekannte Element, bei so vielschichtigen, das Ohr immer wieder herausfordernden musikalischen Teilen. Ein stechend harter elektronische Beat, kontrastiert mit der warmen akustischen Gitarre, führt in den Song ein. Bald kommen die melodiös-melancholische Stimme und Streicher dazu, sie tragen uns durch den Song und geben ihm etwas Opulentes. Bis, gegen Ende des Songs, nur noch die summende Stimme und die akustische Gitarre zu hören sind. Zu «Midwife Of The Night» gibt es einen schönen Videoclip (RFV-Video of the week #51): Wir fahren in einem Zug, blicken aus dem Fenster, auf Vororte, auf eine kühle Industrielandschaft

Youtube Video
David Howald: «Midwife Of The Night (Musikvideo)

Ein Album, das mit den Hören wächst

«The Pariah Nobody Knew» berührt von der ersten Sekunde an. Der zu grossen Teilen auf Stimme und akustische Gitarre reduzierte Song erklingt sehr klar und direkt. Es fühlt sich an, als würde sich der Singer-Songwriter mit uns in einer warmen Stube hinsetzen und uns seine ganz persönliche Geschichte erzählen. Der einsetzende Chor und die Hammond-Orgel versetzen in eine fast weihnachtliche Stimmung – ich will mitsummen und die Schneeflocken draussen tanzen sehen.

«Melody Shaker» erinnert mit seiner Basslinie und dem sanft einsetzenden Beat an die Klassiker von Massive Attack. Aber mit seiner Stimme, dem charakteristischen Piano und den vielen Soundschichten (E-Gitarren, weitere Stimmen, glockenartige Sounds) macht Howald diesen Song zu seinem ganz eigenen.

Howald hat mit The Double ein Werk geschaffen, das mit jedem Mal hinhören wächst. Interessant und spannend von Anfang an, vollgepackt mit Emotionen entfalten sich die Songs jedoch umso mehr ich sie höre. Eine Qualität, die ein Album zu einem Stück Musik macht, das man immer wieder gerne hervornimmt und einen bei jedem Mal neue Facetten entdecken lässt.

It’s a goddamn keeper.

David Howald – The Double (Cover)
David Howald – The Double (Cover)

David Howald – The Double

(Eigenverlag) ist am 14. September 2017 als CD und digital erschienen.

David Howald: «The Ghost And The Missing Dime»

David Howald

08/01/2019
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3 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2010