Anna Aaron – Pallas Dreams: Klangliches Kaleidoskop

Die Pause war lang und ungewollt, doch nach einem Unterbruch von fast fünf Jahren meldet sich Anna Aaron, Gewinnerin des Basler Pop-Preis 2011, jetzt mit neuer Musik zurück. Ihr drittes Album trägt den Titel Pallas Dreams und präsentiert eine Künstlerin, die nicht mehr dem Folk, sondern der Elektronik huldigt.

25/01/19  Michael Gasser

2014 veröffentlichte Anna Aaron ihren zweiten Longplayer, Neuro, und schien auf gutem Wege. Bis Sand ins Getriebe ihrer Karriere geriet: Als die Gewinnerin des Basler Pop-Preis 2011 (Jury- und Publikumspreis) ihrem Westschweizer Management und Label Two Gentlemen das Nachfolgealbum unterbreitete, zeigte sich dieses davon nicht wirklich angetan – und es kam zum Bruch. Das war 2016. Immerhin: Man überliess Aaron das Album, ohne die Produktionskosten zurückzufordern. Dennoch blieb die Trennung nicht ohne Nebenwirkungen: Das Auseinandergehen habe sie in eine veritable Krise gestürzt, räumte die Musikerin gegenüber den Medien ein.

Anna Aaron © Julien Chavaillaz 2019
Anna Aaron © Julien Chavaillaz 2019

Fragend und forschend zurück in die Kindheit in Manila

Nach zwei Jahren Bühnenabsenz meldete sich Anna Aaron, bürgerlich: Cécile Meyer, dann an der BScene 2018 wieder zurück (u.a. mit einem Cover von «In The Air Tonight»). Mit einem Set, das aufzeigte, wie sehr sich die 33-Jährige von ihren Folk-Wurzeln entfernt hat. Stattdessen kredenzte sie fein verwobene und wärmende Elektrosounds. Jetzt veröffentlicht die Künstlerin – mittlerweile bei der Basler Musikagentur Radicalis unter Vertrag – ihr neues Oeuvre Pallas Dreams.

Eingespielt hat sie dieses zusammen mit ihrem Bruder Alain Meyer, der auch als Produzent fungierte. Das Werk versteht sich als Wiedergabe derjenigen Bilder, die Aaron in ihrer Kindheit in der philippinischen Hauptstadt Manila absorbierte. Aarons Reise in die Vergangenheit ist nicht zuletzt auch eine Auseinandersetzung mit ihrem Innenleben. Dementsprechend muten die elf Songs immer wieder auch fragend und forschend an.

«White Lady», das mit sachte trabenden Pianoklängen startet und sich zusehends verdichtet, handelt von einem Geist, der in der Strasse umherging, in welcher Aaron zusammen mit ihrer Familie lebte. Die Bevölkerung soll sich vor der Erscheinung derart gefürchtet haben, dass sich zu nächtlicher Stunde kein Taxi mehr ins Quartier wagte. Im pulsierenden «New Things In Your Blood» singt Aaron von Verwirrtheit und ihrer Erkenntnis: «You stop at nothing.» Die Nummer präsentiert sich ebenso vertrackt wie rhythmusverliebt.

«Rooms» wirkt spirituell, «Last Time We Met» nach einem Aufeinandertreffen von spröden Computermelodien und lasziven Jungle-Sounds. Und in der flirrenden und vom Bass getriebenen Single «Why Not», in der sich die Baslerin als «woman of honour» bezeichnet, geniesst sie es, für einmal ausgiebig zu schimpfen.

Anna Aaron © Julien Chavaillaz 2019
Anna Aaron © Julien Chavaillaz 2019

Emotional, sperrig, faszinierend: Also ganz Anna Aaron

Obschon die Songs in höchst unterschiedliche Richtungen streben, erweist sich das Album als Einheit. Vor allem, weil das Material von musikalischer Neugier durchdrungen ist. Als Klammer dienen auch Aarons Stimme, die nochmals an Selbstbewusstsein zugelegt hat, die inbrünstige Elektronik und ihr Flair für Verspieltes. Momente der Verzweiflung wechseln sich auf Pallas Dreams ab mit aufblitzender Lakonie und Phasen der Demut oder gar der Selbstherrlichkeit. Das sorgt nicht nur für anhaltende Spannung, sondern auch dafür, dass die Platte einer emotionalen Achterbahnfahrt gleichkommt, auf der stets genügend Zeit bleibt, sich auf die Musik einzulassen. Dabei entpuppt sich Pallas Dreams als mitunter sperriges, aber durchwegs faszinierendes Kaleidoskop unterschiedlichster Klänge.

Anna Aaron – Pallas Dreams (Cover)
Anna Aaron – Pallas Dreams (Cover)

Anna Aaron – Pallas Dreams

(Radicalis Music) erscheint am 25. Januar 2019 als LP, CD und digital.

Plattentaufe
30.03.2019  Basel, Sommercasino

Live
20.03.2019 CH – Lausanne, Bleu Lézard
22.03.2019 CH – Bern, Dachstock
23.03.2019 CH – Luzern, Neubad
28.03.2019 CH – Zürich, Exil
30.03.2019 CH – Basel, Sommercasino
23.04.2019 D – Hamburg Nochtwache
24.04.2019 D – Düsseldorf, The Tube
25.04.2019 D – Frankfurt, Mousonturm
27.04.2019 D – München, Zehner

Verlosung
Der RFV Basel verlost eine CD von Anna Aaron. Teilnehmen per E-Mail. Es wird keine Korrespondenz geführt.

Alle Links zu Anna Aaron unten in der Band-App.

Youtube Video
Anna Aaron: «Why Not» (Musikvideo)
Youtube Video
Anna Aaron: «Moskito» (Musikvideo)

Anna Aaron

20/02/2019
Anna Aaron © Julien Chavaillaz 2018
Anna Aaron © Julien Chavaillaz 2018

Beiträge
3 000 CHF | RegioSoundCredit Musikvideo, Tournee | 2019
6 000 CHF | RegioSoundCredit Tournee | 2014
5 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2013
4 000 CHF | RegioSoundCredit Tournee | 2012
15 000 CHF | Basler Pop-Preis (Jurypreis) | 2011
6 000 CHF | RegioSoundCredit Tournee | 2011
7 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2010