Audio Dope – Superlunary: Eine Reise durchs Sonnensystem

Audio Dope: Der Basler Producer und Pop-Preis-Gewinner liefert nach seiner Preserved-EP von Ende 2018 nun ein neues, subtiles Longplayer-Werk der elektronischen Musik ab. Wohin die Reise geht? Genau.

30/04/20  Marie Suhm*

Audio Dope vermag mit seinem neuen Album Superlunary aufzuzeigen, wie weit und grenzenlos es um uns herum ist: die poetischen Instrumental-Tracks gespickt mit Vocal Samples ziehen einem den Boden unter den Füssen weg, in einer Rakete heben wir ab und sehen uns kleiner und kleiner werden. Man meint, es ist Magie, aber es sind «nur» sehr gut aufeinander abgestimmte und zusammengefügte Instrumentals.

Superlunary ist einnehmend, aber das ist keine Überraschung. Audio Dope hat sich bereits 2015 mit seiner Debüt-EP Solar einen Namen gemacht. 2018 gewann er den Basler Pop-Preis. 2019 gründete er mit Matthias Gusset das Projekt Kappa Mountain, dessen erstes Album am 8. Mai 2020 erscheinen wird. Und die Sterne stehen günstig für weitere Erfolge. Vielleicht sind es aber keine astronomischen Kräfte, sondern einfach das Dope, das stimmt.

Audio Dope © Samuel Morris 2020
Audio Dope © Samuel Morris 2020

Starke Anziehungskraft

Bemerkenswert an seinem neuen Album ist der rote Faden. Superlunary ist wie eine gute Story, die einen kurz aus der Realität reisst. «Severance», der erste Track, bereitet auf den Abschied (von der Erde?) vor, in «Bogatyr Ridge» nimmt die Reise richtig an Fahrt auf und mit «Meteor» findet sie ihr Ende.

Wir können die Geschichte der Reise ins All aber öfters hören, langweilig wird es nicht. Jedes Mal entdecken wir ein neues Detail der Collage aus Instrumentals und Vocal Samples. Bei «Meteor» fühlt man sich in kurzen Abständen an die feierlichen Klänge eines Kirchenchors erinnert, bevor wieder Instrumentals und ein Schlagzeug einsetzen, «So Long» beginnt mit einer Art Knacken in der Leitung, bevor eine von fern sprechende Stimme sich in den Beat schmiegt. Und die Wiederholungen mancher Rhythmen, Klänge und Vocal Samples sorgen – ähnlich wie bei einer geschickten Sprachverwendung – nur für noch mehr Eindringlichkeit, anstatt uns einzulullen.

Wie jede Reise hat Superlunary eine Dramaturgie: Es gibt sanftere, gelassenere Tracks, wie zum Beispiel «Absence Of Gravity». Das ist mehr als Hintergrundmusik und Lichtjahre entfernt von dem, was wir schon so gut kennen – zum Glück. «Bogatyr Ridge» und «Chrome» könnten auch im Club überzeugen. Es ist leicht, sich in den Instrumentals zu verfangen und ehe man sich‘s versieht graut der Morgen.

Auch wenn manche Tracks unscheinbar scheinen: Audio Dopes neues Album hat eine starke Anziehungskraft, die uns schnell in seine Umlaufbahn zieht.

Youtube Video
Audio Dope: «Meteor» (Musikvideo)

Der Turiner Filmer Jacopo Ficulle hat das Musikvideo zu «Meteor» in der strengen Lockdown-Zeit Italiens produziert (die Story dazu hier).

Audio Dope – Superlunary (Cover)
Audio Dope – Superlunary (Cover)

Audio Dope – Superlunary

(Radicalis Music) ist am 24. April 2020 digital mit einem Beitrag des RegioSoundCredit des RFV Basel erschienen.

*Marie Suhm lebt zwischen D (Berlin) und F (Bordeaux), ihr Blog berichtet davon.

Audio Dope

12/06/2020
Audio Dope (c) Samuel Morris 2020
Audio Dope (c) Samuel Morris 2020

Beiträge
2 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2020
15 000 CHF | Basler Pop-Preis (Jurypreis) | 2018 
3 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2018
5 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2017