Yumi Ito – Stardust Crystals: Zwischen eklektischem Pop und modernem Jazz

Yumi Itos Leistungsausweis im Jazz ist fraglos beachtlich, doch ihre Vorbilder stammen eigentlich aus der Popmusik. Stardust Crystals ist ihre erste Annäherung zwischen eklektischem Pop und modernem Jazz und bricht eine Lanze dafür, sich niemals zu sehr festzulegen.

09/11/20  Claudia Jogschies

Wer ist Yumi Ito? Wer sich in der Schweizer Jazzszene auskennt, sollte den Namen der Baslerin mit polnisch-japanischen Wurzeln wohl kennen, war sie doch schon auf vielen namhaften Jazz-Festivals und Bühnen im In- und Ausland unterwegs. Doch stopp. Wir sind ja hier beim RFV Basel und nicht bei der Jazzthetik ...

Mit ihrem neuen Album Stardust Crystals will Yumi Ito also Genregrenzen überwinden und auch im Pop Fuss fassen. Als musikalische Vorbilder nennt sie denn auch Björk, Frank Zappa und Kate Bush. Musiker*innen also, die nicht immer eingängig und bequem sind, sondern gern mal konventionelle Popmusik bis hin zur Kunstmusik ausloten und den*die Hörer*in herausfordern.

So ist auch Stardust Crystals nicht per se ein Popalbum geworden, sondern eines, das sich am ehesten als Pop mit jazzigem Approach beschreiben liesse, wenn es denn unbedingt eine Einordnung braucht. Am liebsten jedoch enzieht sich Yumi Ito jeglicher Einordnung: «Ich möchte mich nirgendswo festlegen und auch nicht niederlassen.»

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Yumi Ito – Stardust Crystals (2020)

So geht es denn entsprechend um andere Dinge in ihrer Musik: z.B. um das Hinterfragen gesellschaftlicher Zustände und Entwicklungen. Im Titeltrack «Stardust Crystals» befasst sie sich mit dem Widerspruch der Herkunft des Menschen, nämlich der Natur, und seiner gleichzeitigen Rücksichtlosigkeit ihr gegenüber: «We think we are the kings on earth while we destroy our own kingdom». In anderen Songs geht es darum, persönliche Geschichten zu erzählen: Der Song «Little Things» dreht sich um den Psychiatrie-Aufenthalt einer Freundin. «Ballad For The Unknown», ein Instrumental, schrieb sie für einen Nachbarn, der an einer Überdosis Heroin gestorben ist.

Mit wenigen – oder in letzterem Fall keinen – Worten verpackt Yumi Ito viel in ihren Songs, die sie selbst komponiert, arrangiert und zum Teil auch produziert (nebenbei leitet sie bisweilen auch noch ihr eigenes elfköpfiges Yumi Ito Orchestra). Jeder Track auf dem Album ist entsprechend sorgfältig arrangiert, die Instrumentierung stützt ihre Stimme, die mal ganz zaghaft und mal kraftvoll die obigen Geschichten entwickelt. Ganz wichtig ist dabei aber immer der Raum zur Improvisation. Pop mit jazzigem Approach eben.

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Yumi Ito – Little Things (2020)

Bevor es nun doch noch zu lauschig und gefällig wird, holt uns Yumi Ito zum Schluss mit dem Spaziergang in Prag dann doch nochmal aus der Komfortzone und macht ihren obigen Vorbildern alle Ehre. Es ist wohl eher ein Ritt oder eine wilde Jagd, als ein Spaziergang. Aber wer braucht schon solche Einordnungen?

Yumi Ito – Stardust Crystals

(Unit Records) erscheint am 20. November 2020 auf CD mit einem Beitrag des RegioSoundCredit des RFV Basel und ist auf allen gängigen Online-Plattformen und im Handel erhältlich.

CD-Verlosung
Der RFV Basel verlost 2 CDs von Yumi Ito. Teilnehmen: E-Mail an den RFV senden, es wird keine Korrespondenz geführt. Der Versand erfolgt nach dem Release am 20. November.

Yumi Ito

03/03/2020
Yumi Ito 2019 © Maria Jarzyna
Yumi Ito 2019 © Maria Jarzyna

Beiträge
7 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger, Musikvideo | 2020