«Spotlight» auf Steffi Klär – Seele der Basler Popszene

«Spotlight» wird im Rahmen des Basler Pop-Preis 2020 zum ersten Mal vergeben. Er leuchtet für einmal in den Hintergrund des Musikgeschäfts, wo über viele Jahre hinweg mit leidenschaftlicher und professioneller Arbeit die regionale Popmusikszene vorangebracht, gestärkt und vernetzt wird. Steffi Klär ist als erste Trägerin wie geschaffen für diesen neuen, wichtigen Preis, der von den Mitgliedern des RFV Basel verliehen wird.

18/11/20  Seline Kunz

Steffi Klär brennt schon seit jeher für die Musik. Bereits als Kind und Jugendliche hat sie viel gesungen und war von Musik angetan. Bevor sie jedoch berufeshalber ins Musikbusiness eingetaucht ist, absolvierte sie eine Ausbildung zur PR-Fachfrau. Die Musik liess sie jedoch nicht los, und so jobbte sie in den 90er Jahren im Basler Atlantis am Klosterberg hinter der Bar. Auf diese Weise sammelte sie bereits Bühnen-Luft und Venue-Vibes – Erfahrungen, die sie schon bald im «eigenen» Club als Leiterin des Programms und der Kommunikation einsetzen konnte – in der Kuppel Basel.

Das grosse Netzwerk an internationalen, nationalen und regionalen Musikschaffenden, dessen Aufbau ihren Anfang als Barfrau im Atlantis genommen hatte, war die ideale Basis, um die Kuppel zum Fliegen zu bringen. Und damit hat Klär auch ein gutes Stück Basler Club-Geschichte geschrieben: Im Herbst 1998 übernahm sie nach ihrer Atlantis-Zeit die Leitung Programm und Kommunikation in der Kuppel Basel und leitete diese viele Jahre bis 2014.

Ab Anfang 2004 war sie zusätzlich für Events und Promotion beim Acqua, Baracca Zermatt und Schällenursli zuständig. Bis zum Abriss der Kuppel im April 2016 veranstaltete sie Konzerte weiter und gestaltete ein extensives und liebvoll-gebührendes Abschiedsprogramm, das vielen Musik-Liebhaber*innen in wohliger Erinnerung geblieben sein dürfte.

Steffi Klär © Mathias Mangold
Steffi Klär © Mathias Mangold

Liebe zum Detail, auch hinter den Kulissen

Wer die Kuppel kannte, kannte auch Steffi Klär. Mit Herzblut und Leidenschaft hat sie mit schier endloser Energie in dieses Bijou eines Clubs investiert, wo sie unzähligen Musikschaffenden der Region Basel eine wichtige Plattform geboten hat und auch grössere nationale und internationale Namen nach Basel geholt hat. Dies gelang ihr durch ihre aufgeschlossene und sensible Weise, auf Leute zuzugehen und mit ihnen zu kommunizieren.

Wer jemals in der Kuppel gespielt hat, weiss, dass sie es auf ganz eigene Art vermocht hat, Künstler*innen vom ersten Moment an wie zu Hause fühlen zu lassen. Es ist nicht grundlos, dass z.B. Bands wie Züri West sich in Basel nur von Steffi Klär betreuen lassen. Dies hat neben Steffi Klärs herzlichen Wesens auch mit der Liebe zum Detail zu tun: Steffi Klär ist zum Beispiel bekannt für ihre legendären Künstler*innen-Caterings. Musik geht nämlich auch durch den Magen. Wenn mensch als Musiker*in dann müde und glücklich nach dem Konzert ins kleine, aber gemütliche Backstage stolperte und auf Champagner mit Blumen inklusive handgeschriebenem Dankes-Kärtchen stiess, dann allerspätestens blieb ein Teil des Herzens für ewig in der Kuppel hängen.

Dass nebst dem Kerngeschäft des Bookings, Netzwerkens, der Produktion und Künstler*innenbetreuung auch diverse andere Aufgaben im Hintergrund mit weniger Glamour zu den Aufgaben einer Veranstalterin dazu gehören, lief bei Steffi Klär wie selbstverständlich nebenher. Sei es das Schreiben von Pressetexten, die vor Liebe zu den Acts nur so sprühen, das Arbeiten mit Grafiksoftware für die Kuppel-Flyers, oder auch das geschickt-charmante Zurechtweisen von etwas zu laut gewordenen Konzertbesucher*innen spätnachts.

Die legendäre Kuppel Basel, Steffi Klärs Wirkungsort von 1994–2016 © Xenia Zezzi 2010
Die legendäre Kuppel Basel, Steffi Klärs Wirkungsort von 1994–2016 © Xenia Zezzi 2010

Einsatz für die Basler Kultur- und Gastroszene

Auch auf politischer Ebene engagiert sich Steffi Klär für die Musikszene und ein vielfältiges Nachtleben. Seit 2002 ist sie als Co-Präsidentin im Vorstand des Vereins Kultur & Gastronomie tätig, der sich für Lebendigkeit und Vielfalt in der Kultur- und Gastronomieszene Basels einsetzt.

Aber nicht nur auf regionaler, sondern auch auf nationaler Ebene hat Steffi Klär in der Kulturszene eine wichtige Stimme: Seit 2015 ist sie als Vertreterin von Kultur & Gastronomie im Vorstand der SBCK – Schweizer Bar und Club Kommission.

Dass ihr Interesse für Musik und Kultur weit über die Region Basel und die Schweiz hinaus geht, wird klar, wenn mensch einige Jahre zurückspult in Steffi Klärs Biografie. Schon Anfang 20 zieht es sie in die Ferne und sie reist alleine für einen mehrmonatigen Aufenthalt ins grosse, stürmische New York der 90er-Jahre, um zum ersten Mal intensiv Grossstadt-Luft zu schnuppern. Sie will die Welt kennenlernen, ist abenteuerlustig und weltoffen und kultiviert ihr ureigenes Bedürfnis, über das «eigene Gärtchen» hinauszuschauen.

Das Ausschwärmen aus Basel, ohne je ihre Wurzeln zu ihrer Herzens- und Heimatstadt zu verlieren, wird irgendwann fixer Teil des Lebens der schweizerisch-deutschen Doppelbürgerin: Sie pendelt immer wieder für kleine Auszeiten zu ihrem Pied à Terre in Berlin-Kreuzberg, lädt ihre Batterien auf, pflegt langjährige Freundschaften und holt sich Inspiration und frische Denkanstösse.

Fliessende bis singende Übergänge von der Businesswelt zu Freundschaften

So entstanden etliche Projekte, in denen sie als Kuratorin und auch als Sängerin in Escheinung tritt. Zum Beispiel das Soirée Lundi im Goldenen Fass Basel (Bild), das sie 2015 ins Leben gerufen hat. Eine Konzertreihe, bei der Musiker*innen aus der Popszene sich für einen Abend lang dem Jazz verschreiben und für erfrischende Neuinterpretationen von Jazz-Klassikern sorgen.

Dass Klär selbst eine leidenschaftliche Sängerin ist und die Abende zusammen mit ihren Mitmusiker*innen gekonnt umrahmt, dürfte etlichen Unwissenden der Musikszene – die sie eher als Frau hinter als auf der Bühne kannten – seit der Geburtsstunde des Soirée Lundis mit freudigem Erstaunen bewusst geworden sein. Dabei hat Steffi Klär seit jeher bei vielen verschiedenen Bands mitgesungen und mitgewirkt, u.a. beispielsweise bei The Disco Experience, als Gast-Sängerin bei Roli Frei oder bei Pink Pedrazzi.

Und bis letzthin, bevor uns Corona allen einen Strich durch die Rechnung machte, stand sie mehr denn je auch auf grossen Bühnen zusammen mit Nicole Bernegger, mit der sie eine langjährige Freundschaft verbindet. Und seit sich Bernegger nach ihrem Voice-of-Switzerland-Gewinn ihren ganz eigenen musikalischen Weg geht, hat sie in Steffi Klär nicht nur eine grossartige Backing-Sängerin, sondern auch eine Managerin gefunden.

Aber Steffi Klär interessiert sich nicht nur für den Soul und Jazz in der Musik. Wie könnte das denn sein, bei so einer wundervollen Vielfalt, wie die Popwelt sie zu bieten hat und wie Steffi Klär sie liebt. So trifft man sie als Fan nicht «nur» an Konzerten von beispielsweise Joan As Police Woman, sondern auch ganz weit vorne in den Fan-Reihen, wenn Queens Of The Stone Age die Bühne rocken (Steffis 10 Lieblingssongs gibt es hier).

Seit Anfang 2019 bringt Steffi Klär all ihre Erfahrungen, Interessen und die grosse Leidenschaft für Musikkultur als Mitarbeiterin im Kulturbüro der Gemeinde Riehen ein und kehrt so, zumindest örtlich, an den Ort ihrer Kindheit und ihres Aufwachsens im stadtnahen Dorf zurück. Im Kopf und im Herzen jedoch trägt sie die Kuppel, das Reisen, die Grossstädte, die Weltoffenheit vor allem und ganz viel Soul, der in alles einfliesst, was Steffi Klär tut und das alle spüren, die das Glück haben, sie kennenzulernen.

«Immer bereit, die extra Meile zu gehen»

Beim Schreiben dieses Texts haben wir unter anderem auf die Hintergrund- und Insiderin-Infos von Jennifer Jans, zurückgreifen dürfen. Eine Weggefährtin, deren Potential Steffi Klär als Mentorin bereits früh erkannt hatte. So hat sie Jennifer Jans dabei begleitet, «Mitten In Der Woche» 2012 in der Kuppel ins Leben zu rufen, eine Veranstaltungsreihe, die sich seither zu einem unverzichtbaren Ort des Austauschs und als Plattform für Musiker*innen und Musikinteressierte der Region Basel etabliert hat. Zum Abschluss möchten wir deshalb hier auch noch Platz machen für ein paar persönliche Worte von Jennifer Jans:

«Schon als ich vor knapp 17 Jahren angefangen habe, in der Basler Musikszene aktiv zu sein, war Steffi Klär für mich ein Begriff. Die «Kuppel-Mama», eine Wunderfrau mit grossem Herz und endloser Leidenschaft für die hiesige Szene. Ich weiss noch genau, als ich mit knapp 20 das erste Mal in der Kuppel spielen durfte und mir dachte: 'Wow, so möchte ich auch mal sein'.

Ich hatte vor knapp zehn Jahren das grosse Glück, dass sie mich als ihre Assistentin in der Kuppel aufgenommen hat und viel ihres Know-Hows, ihres Musikzaubers und ihres Könnens mit mir geteilt hat. Ich wäre nicht dort, wo ich (heute) bin ohne diese Erfahrungen und unsere Freundschaft!

Über die Jahre hat sie unglaublich vielen Bands eine wichtige Plattform geboten, mit all ihren Engagements sich aktiv für die Szene eingesetzt und war immer dazu bereit, dafür die extra Meile zu gehen (auch wenn es manchmal bis spät in die Nacht gegangen ist ...). Ich weiss, ich spreche aus dem Herzen unzähliger Musikmenschen dieser Stadt: Steffi, einfach nur ein riesengrosses Dankeschön für all dein Herzblut und deine Leidenschaft in allen Bereichen der Musik und Kultur! Diese Auszeichnung und Anerkennung hast du mehr als verdient und ich freue mich so fest für dich und mit dir!»

«Spotlight» leuchtet in den Hintergrund des Musikgeschäfts

Im Jahr 2020 neu eingeführt worden ist der Förderpreis «Spotlight». Ganz dem Namen entsprechend wird hier die Aufmerksamkeit gerichtet auf Vertreter*innen der Basler Popmusikszene, die sich oftmals im Hintergrund auf professionelle Art und Weise dem Ziel widmen, die regionale Szene voranzubringen, sie zu stärken und zu vernetzen. Dotiert ist diese Auszeichnung mit einem Beitrag von 2 000 CHF. Die*der Preisträger*in wird von den Mitgliedern des Vereins RFV Basel bestimmt.