Video of the week: «Shared Beds» von Blondie Snitch

Regie und Produktion: Manuel Hildebrand, Alvaro Kreyden, Tidiane Sane.

03/12/19  Doktor Fisch

Youtube Video
Blondie Snitch: «Shared Beds» (Musikvideo)

Zarte Melancholie tränkt die Nacht in diesem wenig aufregenden, aber bemerkenswerten Videoclip und Song von Blondie Snitch aus Basel. Alles geschieht verzögert, oder gar nicht. Ein paar junge Menschen sind noch wach, zwei fahren in einem legendären schwarzen Citroën DS durch die Nacht, ein Engel tankt, hinten weht der Wind zur runtergekurbelten Autoscheibe rein, durch die Haare der jungen Frau auf dem Rücksitz.

Andere liegen auf dem Bett und rauchen Zigaretten, die Kamera streift Bücher, Camus’ «Der Fall» und Ramuz’ «Aline», zwei trinken Wein in der Küche, kochen, später tanzt ein Paar. Fünf Jungs dösen angezogen auf einer Matratze, andere spielen Basketball, zwei Verliebte umarmen sich, besser: umklammern sich.

Aber niemand redet.
Alle neun Paare in diesem Musikvideo schweigen sich an, nur der Sänger nuschelt, haucht «all the things I did not say» zum Beispiel, oder «meet me on the highway». Ein träger Beat pluckert durch den müden Funk, ein paar Streicherfetzen hier und da. Smoothe Musik um drei Uhr morgens.

Offensichtlich hat Manuel Hildebrand, der Songwriter und Beatmaker hinter Blondie Snitch, einen realen Traum in einen Song und dann den Song in bewegte Bilder umgesetzt. Die Schauspieler*innen bevölkern nun diesen Traum, stellen Szenen nach. Vielleicht redet deshalb niemand; im Traum reden geht nicht. – So könnte es sein. Geteilte Betten. Geteilte Nächte. Geteilte Träume. Oder Angst vor dem Ausleben von Träumen.

Wenig los also in dieser post-neoromantischen Anti-Party, dafür umso berührender. Die Protagonist*innen im Videoclip, den Manuel Hildebrand gleich selber mit Alvaro Kreyden und Tidiane Sane realisiert hat, wirken orientierungslos, desillusioniert, etwas verloren schon oder einfach gelangweilt. Jedenfalls: Solche Geschichten würde man gerne mal in einem langen Edit im Kino sehen. Also nicht auf dem Handy. Im Kino. À bout de souffle, einfach ohne Mord und Mackertum. Aber mit Citroëns.

Bis dahin: lang lebe die Nacht! Und am 5. Dezember 2019 folgt das Blondie-Snitch-Debütalbum Swallowed.

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Blondie Snitch

04/12/2019