Nicole Bernegger – Alien Pearl: Gelungener Befreiungsschlag

Tschüss Majorlabel, hallo Unabhängigkeit: Vor zwei Jahren fasste die Baselbieter Musikerin und Sängerin Nicole Bernegger den Entschluss, ihre bisherige Plattenfirma Universal zu verlassen und ihre Musik fortan unter eigener Ägide zu veröffentlichen. Nicht zuletzt, weil ihre Soulstücke wieder ungeschliffener daherkommen sollten. Ihr nun erschienener Drittling Alien Pearl beweist: Ihr Schritt zurück ist in Tat und Wahrheit ein grosser Sprung nach vorne.

25/11/19  Michael Gasser

An den Eckdaten gibts nichts zu deuteln: Im März 2013 gewann Nicole Bernegger die TV-Castingshow «The Voice Of Switzerland». Der Sieg bescherte ihr einen Plattenvertrag bei Universal Music und noch im selben Jahr veröffentlichte die Baselbieterin ihr Debütalbum The Voice, das bis auf Platz 3 der CH-Charts vorstiess und sich mehr als 10 000 Mal verkaufte. Eine reife Leistung. Eine, die unter anderem dazu führte, dass Bernegger diverse Auftritte von Acts wie Joss Stone, Simply Red (Deutschland-Tournee 2015) oder John Legend eröffnen durfte.

Obschon sich die Nachfolgeplatte, Small Town (2015), auf Platz 5 der Hitparade zu platzieren vermochte, entschied sich Bernegger 2017 für eine Neuorientierung. Zwar sei ihr die für sie zuständige Crew bei Universal ausgesprochen sympathisch gewesen, doch: «Wir wollten nicht den gleichen musikalischen Weg gehen», so die 42-Jährige im Interview.

Nicole Bernegger © 2018
Nicole Bernegger © 2018

Mit der Ästhetik der 60er-Jahre und hör- und fühlbaren Emotionen

Um sich nicht selbst zu verlieren, habe sie sich von allem befreien und neu beginnen wollen und müssen. «So habe ich ein eigenes Label gegründet und ein Team zusammengestellt, das mit denselben Visionen auf das neue Album hinarbeitet», erklärt Bernegger. Zudem habe sie das Bedürfnis verspürt, die Labelarbeit vom ersten bis hin zum letzten Schritt zu erlernen. «Kennst du die Mechanismen, macht es dich frei», ist sie überzeugt.

Die dreifache Mutter war zudem darauf bedacht, dass sich die dritte Platte, Alien Pearl, ganz von ihrer Handschrift geprägt zeigt. Und wie sieht diese aus? «Ich liebe die Ästhetik der 60er-Jahre, den warmen, aber auch ungeschliffenen Sound, die grossen Refrains und die Melancholie», sagt die Künstlerin.  Zudem habe sie ein Flair für Vocals, die sich in leisen, aber auch lauten Tönen ausdrücken. «Und für solche, die Emotionen hör- und fühlbar machen können.»

Das bezaubert und bezirzt: Von Soul zu Surf und Ska und wieder zurück
Bernegger entschied sich also für den Schritt zurück zu den Wurzeln. «Produktionstechnisch basiert Alien Pearl auf der Retro-Ästhetik, bleibt im Sound jedoch eigenständig», fasst die Musikerin zusammen. In der Tat: Die elf Songs des Albums (auf Spotify bekommt man übrigens «nur» neun von diesen zu hören) bestechen insbesondere durch ihre Wärme, ihre Ungekünsteltheit und einen souligen Klang, der klugen Abstand zum Mainstream hält — ohne je anachronistisch zu wirken oder ins blosse Kopieren von Girl-Group-Ikonen wie The Supremes oder The Shangri-Las zu verfallen.

Während das Titellied mit Surfgitarre, stoischem Tempo und prächtigen Harmonien aufwartet, scheint «Don’t Do It» am Ska zu naschen, huldigt zwischendurch dem kratzigen Gesang und bringt die Orgel ins dynamische Spiel. Auch die Soul-Ballade «Too Long Gone» und das dicht groovende «Take One Step» wissen nicht nur zu bezaubern, sondern geradezu zu bezirzen.  Die Arrangements sind nie überfrachtet, bleiben authentisch und verstehen es auch, live zu überzeugen. Das hat die novemberliche Plattentaufe in der Kaserne Basel (Bild) eindrücklich bewiesen.

Nicole Bernegger live © Gary Schneider 2019
Nicole Bernegger live © Gary Schneider 2019

Noch nie so glaubwürdig wie heute

«Wir sind mit den elf Songs ins Studio, die wir auf dem Album haben wollten», erinnert sich Bernegger. Die definitive Auswahl ging also bereits im Vorab vonstatten. «In Zusammenarbeit mit unserem Produzenten, Christian Lohr, haben die Tracks ihre Form vollendet und teilweise ihre spezielle Ausprägung erhalten.» Die Songs sind betont erdig, nie effekthascherisch und leben namentlich von der voluminösen Stimme Berneggers. Mit dieser gelingt es ihr, innert Sekundenbruchteilen ein Kaleidoskop an Gefühlen heraufzubeschwören und mal flehentlich, mal brummend und mal croonend zu klingen.

Das Fazit ist schnell gezogen: Berneggers Musik war noch nie so wertvoll, konkret und glaubwürdig wie heute. Chapeau. Eins hätten wir aber noch gerne gewusst: Welchen Rat würde Nicole Bernegger eigentlich ihrem jüngeren Ich in Sachen The Voice Of Switzerland erteilen wollen? «Steh für deine Visionen ein, auch wenn dir der Wind entgegen bläst.»

Nicole Bernegger – Alien Pearl (Cover)
Nicole Bernegger – Alien Pearl (Cover)

Nicole Bernegger – Alien Pearl

(Alien Pearl Records) ist am 9. November 2019 als CD, LP und digital mit einem Beitrag des RegioSoundCredit des RFV Basel erschienen und u.a. hier oder bei Cede.ch erhältlich.

CD-Verlosung
Der RFV Basel verlost 2 CD von Nicole Bernegger. Teilnehmen: Mail den den RFV senden. Es wird keine Korrespondenz geführt.

Nicole Berngegger live
27.11.2019 Solothurn, Kulturfabrik Kofmehl
30.11.2019 Luzern, Stadtkeller
20.12.2019 Lyss, Kulturfabrik
27.12.2019 Rubigen, Mühle Hunziken
28.12.2019 Baden, Nordportal
Aktuelle Live-Daten auf der Website der Band (Band-App unten anklicken für Link zur Website und Social Media)

Nicole Bernegger

02/12/2019
Nicole Bernegger © 2018
Nicole Bernegger © 2018

Beiträge
5 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2018
7 000 CHF | RegioSoundCredit Tournee | 2015