Christian von Snarf © 2011
Christian von Snarf © 2011

Im Andenken an Christian von Snarf, 1985–2014

Die Basler Rockszene verliert mit Christian von der Band Snarf einen eigenwilligen, liebenswürdigen Musiker und Menschen.

14/08/14  Jonathan und Roman, Snarf

Chris ist am 3. August 2014 in der Nähe von Dresden bei einem tragischen Unfall in der freien Natur, die für ihn immer ein sehr wichtiger Ort gewesen ist, ums Leben gekommen. Christian wurde 29 Jahre alt.

Der RFV Basel wünscht der Band, den Familienangehörigen, den Freundinnen und Freunden von Chris alles erdenklich Gute in dieser schwierigen Zeit.

Dieses Andenken ist als Würdigung von Christians Leben, seiner Musik und der Freundschaft mit seinen Mitmusikern Jonathan und Roman gedacht. (cf.)

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Snarf brachten zwischen 2003 und 2014 rund fünf Alben heraus und überzeugten auch als Live-Band – etwa als Vorband von Orange Goblin und Karma To Burn, am BScene Clubfestival und an vielen anderen Konzerten in der Schweiz. Mit dem viel zu frühen Tod von Gitarrist und Sänger Christian endet die Bandgeschichte von Snarf. Als Vermächtnis erscheint das Album Klabat Ende August 2014.

«Ich kenne Christian seit ich 14 bin. Das sind 15 Jahre. Wir gingen damals in dieselbe Klasse, und zusammen mit Roman bildeten wir ein Trio Infernale. Mit 17 beschlossen wir, eine Punkband zu gründen, obwohl keiner von uns ein Instrument spielen konnte. Snarf's Appendix hiess die Band. Wir brachten uns das Spielen selber bei und schnitten uns die Jeans auf.»
Jonathan

Snarf von links: Roman, Jonathan, Christian © 2012
Snarf von links: Roman, Jonathan, Christian © 2012

Anfangs spielten Chris, Jonathan und Roman Punkrock, dann punkigen Stonerrock. Inspiration für Snarf waren Bands wie Queens Of The Stone Age, Kyuss, Melvins, Sleep oder Electric Wizard. Musik also, die ihre komplett eigene Welt baut und laut in ihr ruht. Eine Musik der Underground-Rockrebellen der 90er Jahre, die im Do It Yourself des Punk und in der Urkraft mystisch aufgeladener Natur gründet.

«Wir entwickelten eine sehr tiefe Freundschaft. Wir gingen fast jedes Jahr zusammen in den Ferien, zelteten und wanderten durch Berge, machten viel Scheiss und vertrauten uns alles an. Wir waren von düsteren, psychedelischen Klangwelten fasziniert und liebten es, ganze Wochenenden zu jammen und uns in unserem Proberaum zu verschanzen. Es gab Zeiten, in denen wir mehr oder weniger im Proberaum lebten.»
Jonathan und Roman

Aus Snarf’s Appendix wurden 2008 Snarf. Dieselbe Besetzung. Rund 90 Konzerte spielte das Trio, der Sound ging immer mehr in eine heftige, doomige Richtung. Die Drei von Snarf waren von düsteren, psychedelischen Klangwelten fasziniert, schwere, doomige Riffs und ausufernde Kompositionen prägten die Musik bis zum Schluss.

Ihre Platten, zuletzt Arrak Bisa Ular (2012) bestanden aus einem einzigen, 30-minütigen Song-Monolith. Düster, aber nie aggressiv.

Snarf – Arrak Bisa Ular (EP, 2012)

Das war Meilen entfernt von Mainstream, doch das hatte die Band auch nie interessiert. Musik zu machen war für die drei Freunde ein Flash, eine gemeinsame Erfahrung, ein Erkunden der Ränder und Tiefen, ein Fluchtpunkt, ein Leben.

Christian von Snarf © 2014
Christian von Snarf © 2014

«Für Christian war das Musizieren eine Droge; wie ein Süchtiger suchte er stets nach dem perfekten Sound, schraubte an seinen zehn Verzerrern rum und brüllte, schrie oder klagte in sein Mikrophon.

In einer immer hektischer und dichter werdenden Welt stand Christian als Künstler und Mensch für Anpassungsgabe, Reduktion auf das Wesentliche und Entschleunigung.»
Jonathan und Roman

Musik zu machen und zu produzieren war für Christian ein zentraler Lebensinhalt. Er nahm zahlreiche Basler Bands wie Hellalujah, Räpetoire, Lord Of The Grave und Rich Kid Blue auf. Er mischte und masterte ihre Musik mit grosser Hingabe.

Als Teil der Dark-Ambient-Projekts Schwer erkundete Christian zusammen mit den Snarf-Mitgliedern und der Künstlerin Martina Lussi auch neben seiner Bands Snarf weitere, düstere Klangwelten.

Vulkan Klabat © 2011
Vulkan Klabat © 2011

«Klabat ist ein Vulkan in Indonesien, den wir vor etwa drei Jahren bestiegen haben. Es war ein eindrückliches Erlebnis; wir wurden von einem Gewitter überrascht und übernachteten in einem triefnassen Zelt. Eine unglaubliche Stimmung umgab diesen mystischen Berg …»
Roman und Jonathan

Vulkansee Klabat © 2011
Vulkansee Klabat © 2011

Der Berg Klabat (siehe auch Fotos) gibt nun dem neusten Snarf-Album, das auf Acoustic Desaster Records erscheinen wird – den Namen. Christian hat das Mastering und das Abmischen des Albums vier Tage vor seinem so tragischen Tod am 3. August beendet.

Himmel über Basel, 3. August 2014 © Jonathan und Roman
Himmel über Basel, 3. August 2014 © Jonathan und Roman

«Am Abend dieses gleichen 3. August war der Himmel über Basel so düster wie noch nie zuvor. Dunkelviolett war der Himmel gefärbt, bevor ein heftiges Gewitter ausbrach.»
Jonathan und Roman

Christian wird als eigenwilliger Musiker in der Basler und Schweizer Bandlandschaft eine grosse Lücke hinterlassen.

Als Mensch, der das Leben genoss, seinen Mitmenschen mit unendlich viel Liebe begegnete und die Leute um sich herum zum Lachen brachte, hinterlässt er eine Fülle an schönen Erinnerungen und lebt in unseren Herzen weiter.

Snarf
Jonathan und Roman 

Snarf – Klabat (Acoustic Desaster Records, 8.8.2014)

Youtube Video
Snarf live, KAFF, Frauenfeld, 2012

Snarf

23/05/2019
Snarf von links: Roman, Jonathan, Christian © 2012
Snarf von links: Roman, Jonathan, Christian © 2012

Schwer

23/05/2019

DER RFV BASEL WIRD 25 UND FEIERT DIE GANZE POPSZENE DER REGION

Der 13. November war längst für die Verleihung des Basler Pop-Preis 2019 reserviert. War – denn der RFV Basel feiert an diesem Datum nun seinen 25. Geburtstag und in allererster Linie gefeiert wird die so vielfältige wie hochstehende und hochmotivierte Popszene der Region Basel. Denn genau sie liefert die Musik und Kreativität, ohne die es den RFV in dieser Form heute gar nicht gäbe.
Der Basler Pop-Preis wird neu aufgestellt und 2020 wieder verliehen – dann alle zwei Jahre.

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