Schammasch «Ego Sum Omega» Videostill © 2020 Schammasch
Schammasch «Ego Sum Omega» Videostill © 2020 Schammasch

Video of the week: Ego Sum Omega von Schammasch

Regie und Produktion: Guilherme Henriques. Konzept und Ausstattung: Saros Collective.

30/10/20  Doktor Fisch

Youtube Video
Schammasch: «Ego Sum Omega» (Musikvideo)

Ein Kapuzenmann steigt aus dem winterlichen Bergsee. In der einen Hand einen mit Gravuren kunstvoll verzierten menschlichen Schädel, in der anderen einen ziemlich grossen Beinknochen, und vom langen Gewand tropft das eisige Wasser. Der Einstieg in diesen achtminütigen Breitband-Videoclip ist schon klirrend kalt und karg, in eine gewaltige Landschaft gebettet, die das ganze Musikvideo über eigentlich die Hauptrolle spielt – neben dem gesichtlosen Unbekannten unter der Kapuze natürlich.

«Ego Sum Omega» erweist sich dabei als der hochalpine Bruder von «Metanoia» vom 2016er-Album Triangle. Damals wurde auf Island gedreht, nun aber im Engadin, in den Wäldern von Sils Maria, wo Nietzsche und Hesse zu geistiger Hochform aufliefen, und in den Bergen nahe dem Julierpass. Was neu ist: Die Opfergabe eines menschlichen Schädels, der für das Ego steht, den Verstand, die intellektuelle Überlegenheit des Menschen über alles andere. Was – siehe Natur – natürlich ein Irrtum ist.

Fast am Ende dieses so intensiven wie meditativen Kurzfilms der dunklen Schwermetaller, die nun seit zehn Jahren fast ohne Unterbruch ihre wahrheitsgetriebe Arbeit auf international hohem Niveau verrichten, macht sich der mysteriöse Kapuzenmann auf dem Berggipfel im Schnee kniend daran, ein aus Stofflappen geformtes, grosses Omega-Zeichen in Brand zu stecken – in der Mitte nun der Schädel –, um seine Opfergabe zu vollenden. Ein archaisches Ritual im schwindenden Sonnenlicht und in bitterer Kälte.

Es steckt eine Menge Symbolik in der Videoarbeit des Saros Collectives aus Basel (das von Schammaschs Mastermind C.R.S gegründet wurde und u.a. filigrane Knochenkunst und Graphic Design fertigt) und des portugiesischen Filmers Guilherme Henriques (der viele Videos für Metal-Bands wie Body Count, Mayhem, Belphegor etc. verantwortet). Die Symbolik des dunklen Pfades des Menschseins, die Opfergabe eines Schädels, die asketische Einsamkeit, die im Innersten feindliche Natur des Hochgebirges, die rituelle Auslöschung des Egos. Das sieht alles nicht wirklich nach cooler Erlösung aus. Aber das Bibelzitat «Ego Sum Alpha Et Omega», worauf sich der Songtitel bezieht, stammt ja auch aus der finsteren Johannes-Apokalypse und nicht aus «Rocky IV».

Und so blicken wir ganz am Ende einmal mehr in die kalte Finsternis und wissen nichts ausser: wow! Seltsam nur, dass «Ego Sum Omega» als Song und als Musikvideo – und auch diese Band Schammasch – dabei in keiner Sekunde als negative Kraft rüberkommt (ausser man oder frau hat etwas gegen das öffentliche Herumtragen von Menschenschädeln – also von fremden, nicht dem eigenen auf dem Hals).

Schammasch gehen mit ihrer «Ego Sum Omega»-Bergwanderung einmal mehr dorthin, wo ihre laute Kunst am dunkelsten strahlt. Es geht um alles, bis auf den Knochen, bis ans Ende. Konsequenter, und auch inspirierender, ist grad wenig anderes.

Schammasch «Ego Sum Omega» Videostill © 2020 Schammasch
Schammasch «Ego Sum Omega» Videostill © 2020 Schammasch

Videopremiere

«Ego Sum Omega» hat am 29. Oktober 2020 Premiere beim US-Extreme-Music-Magazine Decibel.

Musikvideo mit einem Beitrag des RegioSoundCredit des RFV Basel.
«Ego Sum Omega» vom aktuellen Album Hearts Of No Light (2019): Review | Einstieg in die US-Billboard Charts.

Schammasch

13/10/2020
Schammasch © Heiner Bach 2017
Schammasch © Heiner Bach 2017

Beiträge
4 000 CHF | RegioSoundCredit Musikvideo, Tournee | 2020
5 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2019
4 000 CHF | RegioSoundCredit Tournee | 2017
7 000 CHF | RegioSoundCredit Musikvideo, Tournee | 2016
3 000 CHF | RegioSoundCredit Tonträger | 2015